Woven Hand in Hamburg (Fabrik) 20. July 2008
german review by Sandy- thanks!


Konzertbericht Hamburg, 20.Juli 2008


Eine kleine Vorgeschichte:

Jedes Jahr im Juli ist nicht nur große Konzertflaute, sondern auch mein Geburtstag. Als ich dann aber auf der Fansite der wahren besten Band der Welt sah, dass just am 26.7.2008 ebendiese in München spielen würden, entschied ich, mir diesen Trip schenken zu lassen...

...und was lag näher, als sich vorher schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf dieses (mutmaßliche) Highlight zu gönnen?
Gedacht – getan!


Bewegendes VOR dem Konzert:

Mein Ziel hieß am 20.7.2008 also Hamburg und dort die „Fabrik“.

Die Location war mir bis dato gänzlich unbekannt, aber ich war gleich ganz angetan: alt und gemütlich war der erste Eindruck.
Der zweite: was verkauft diese Frau denn dort? Von Weitem sah es eher nicht so aus, als hätte dieser kleine Stand etwas mit dem anstehenden Konzert zu tun...es leuchtete weithin grün! Ich hatte noch genügend Zeit bis zum Beginn; deshalb holte ich mir erst ein Getränk und ging dann dieser drängenden Frage nach dem grünen Schimmer auf den Grund. Am gedeckten Tisch angekommen, traute ich erst meinen Augen nicht und musste dann doch irgendwie diesen mittelschweren Schock verkraften: diese grüne Flut entpuppte sich als die aktuellsten T-Shirts von Woven Hand. OHA! Bestimmte Leute mögen mir verzeihen, aber DIESES Grün ist schon ziemlich satt und gewaltig – vor allem mit der wenig dezenten orangefarbenen Sonne (meinetwegen auch Mondscheibe...). Hui-ui-ui!
Ja.
Nun gut.
Ich entschied, dass ich einfach eine Woche darüber schlafen und dann entscheiden würde, ob eines in meinen Besitz übergehen würde oder nicht...der Münchengig war SO weit ja nun auch nicht weg – rein zeitlich betrachtet...
Nachdem diese entscheidende Frage für mich hinreichend geklärt war, ging ich auf die Suche nach einem geeigneten Platz, um dem musizierenden Volk auch angemessen huldigen zu können. Das erwies sich durchaus als schwierig, weil man in der Fabrik eine Art Galerie hat und deshalb gut von oben gucken konnte. Nur mein geliehener Knipser wollte von dort einfach keine scharfen Bilder schießen und so testete ich auch einige Standorte im Bereich vor der Bühne, was mich alles nur mäßig zufrieden stellte.

  Ein weiteres zeitintensives Nachdenken ergab sich für mich aus der Beschaffenheit des –wie soll ich es nennen?– oberen Abschlusses des Raumes...oder kurz: der Decke. Die besteht nämlich aus Glas und da wir uns im Sommer befinden, wird es ja erst recht spät dunkel...und wann werden sie dann anfangen?
Bei Dämmerung?
Wenn’s richtig dunkel IST?
Wann genau geht momentan die Sonne unter?
 
Bewegendes beim Konzert:

Ich war noch nicht zu einem schlüssigen Ergebnis gekommen, als auch schon Töne und Applaus kamen (und ich hatte mich noch immer nicht entschieden, WO genau nun mein Platz sein sollte!) während ich im Eiltempo in Richtung Galerie hechtete...und halb den Beginn von Tin Finger verpasste! Das ist insofern von einiger Tragik, weil dieser Song spätestens seit dem letztjährigen Köln-Konzert zu meinen TOP5-AllTime-Live-Favourites gehört . Und ich wurde nicht enttäuscht: ein äußerst kraftvoller Einstieg in meine diesjährige erste Live-Show der holden Musiker. Grüne T-Shirts waren vergessen und auch die Helligkeit störte nur noch ein kleines bisschen, denn Tin Finger ließ mich augenblicklich aus dem Häuschen geraten...so intensiv wurde es dargeboten. Dennoch wechselte ich noch schnell meinen Standort, denn die anderen Leute auf der Etage standen mäßig interessiert am Geländer. Ich kann einem Auftritt der wahren besten Band der Welt leider weder still noch starr beiwohnen, weshalb ich mich bis in eine angenehme Entfernung zur Bühne durchdrängelte. Trotz der nicht durchgängig bei 100% liegenden Konzentration meinerseits ließ das Bombastische dieses Songs mich sofort nach Erreichen meines endgültigen Standortes in andere Welten gleiten...na ja...oder besser: ich wurde in andere Welten gehämmert.
Die Nähe zur Bühne lohnte sich eindeutig, denn dort wirkte Whistling Girl auch gleich noch grandioser, weil ich besser erkennen konnte, wer wann meine Lieblingssequenzen spielte...zumindest, wenn ich mal die Augen offen hatte. Gerade wenn DEE und seine Mannen so laut und kräftig aufspielen, finde ich die Macht der Musik unglaublich, wenn man sie hört und erfühlt und nicht auch noch von optischen Reizen „abgelenkt“ wird. Andererseits: die Präsenz der Vier ist phantastisch und ich geb’ mir stets redlich Mühe auch zu SEHEN . Nicht zuletzt, wenn die Banjola ausgepackt wird. Ganz wundervoll...
...so konnte es meinetwegen weitergehen.
Doch nach dem Applaus fühlte ich mich in alte Zeiten zurückversetzt, als ich als 16-Horsepower-Kenner auf einem Woven-Hand-Konzert war und ungefähr drei Lieder kannte...denn was auf eine tolle Darbietung von Whistling Girl und dem vielversprechenden Beginn von Horse Head Fiddle (ich war gleich noch viel aufgeregter! Ich liebe FOLKLORE!) folgte, war mir gänzlichst unbekannt...AHA! Was vom neuen Album? Wie sich später herausstellte, hörte ich zum ersten Mal Beautiful Axe....
.......und war schwer begeistert! Ich mag Tempowechsel und war sofort gefangen. Es beginnt beinahe zaghaft und steigert sich allmählich zu einer mächtigen lauten Grandiosität. Großes Lob für ein neues Highlight (falls es dessen bedarf...sowohl des einen als auch des anderen ), dem ich so gut wie blind folgte – allein die Drums fegten jeden anderen Gedanken beiseite.
Verschnaufen wäre nun eigentlich ganz gut gewesen.
Tja, aber wie man das machen soll, wenn einem mit rhythmischem Stampfen Speaking Hands kredenzt wird, ist mir schleierhaft. Also nix mit kleinem Päuschen, um zu sehen, ob die Welt -wie ich sie kenne- noch existiert, sondern weiter in lauter, kraftvoller und intensiver Musiksphäre verweilen. Die Albumversion gehört nicht unbedingt zu meinen TopTen, aber live und in Farbe ist das Stück einfach immer wieder grandios. Allein die Pausen zwischendurch und dann der krachende Wiedereinstieg – überwältigend.
Von mir mit gehörig viel Applaus und einem WOW! honoriert, machte sich die wahre beste Band der Welt daran, mir noch ein neues Lied vorzustellen: Kingdom Of Ice. Was, bitteschön, kann ich dazu sagen? Nach einer Minute hatte es sich einen Platz in den Top10-AllTime-Live-Favourites gesichert! Eindeutig ein „repeat-one“-Song. Die zarte Banjola, die eine wundervolle Melodie trägt und mit flirrend drohenden Gitarren, drängendem Bass und herzschlagartigen Drums ein Netz spinnt, aus dem zumindest ich mich schwer befreien konnte. Dazu noch die vereinnahmende Stimme des frontalen Mr Edwards! Sensationell! Das hätten sie sofort noch mal spielen können und ich wollte auf der Stelle das neue Album!!!!
Doch weder das eine noch das andere passierte...nein...nach einem „Dangesöön“,  einigem Zupfen und dem Stimmen der Saiteninstrumente, rhythmischem Stampfen mittels der weißen Schuhe von DEE und aufmerksamem Beobachtens desselben von Saiten Mr Humberts ertönte plötzlich Dirty Blue. Yeah! Die Jungs wollten es aber wirklich wissen! Nur Favourites meiner Wenigkeit...“holla, die Waldfee“ kann ich da nur sagen. Mehr aber auch nicht: Dirty Blue ist einfach...sagenhaft. Das bläst einem aber gehörig die Hörorgane durch! Ich wurde nicht enttäuscht, denn wie immer gab die beste Band alles!
Nun endlich kam die verdiente Pause: neuer Titel Nummer drei, der mich insgesamt nicht sofort so in seinen Bann zog wie es die beiden anderen getan hatten. Iron Feather empfand ich nicht so intensiv und irgendwie sprang der Funke nicht sofort über. Zeit, mal meine geliehene Kamera zu testen...das erwies sich jedoch als komplizierter als gedacht. Vor allem, weil ich die Programmierung irgendwie löschte. Noch dabei, dieses Missgeschick irgendwie zu beheben, stimmte DEE the next big thing an: Winter Shaker. Ich liebe es einfach, wenn zu Beginn Mr Garrison diese Quietschgeräusche macht und dann plötzlich auf sein Arbeitsgerät eindrischt, als gäb’s morgen ein neues. All his glory! Hallelujah!!  Mehr braucht’s nicht, um das Ereignis zu beschreiben. Vielleicht noch dies als kleine Randnotiz: ich versuchte still zu stehen, um die Videoclip-Funktion meines Knipsers zu testen. Der Lohn: ein übersteuertes Musikstück und unterdrücktes Zucken...in München – so nahm ich mir auf der Stelle vor – wird nicht gefilmt! Gibt nur lahme Arme, ich kann nicht 100% der Musik folgen und das Ergebnis ist nicht das gewünschte.  Also Kamera aus und...
Oho! Sollte das Słota Prow und Full Armour werden? Leider nicht: es wurde der englische Part von Słota Prow, der dann aber in Elktooth überging. Auch gut. Allmählich gehen mir nur die passend beschreibenden Adjektive aus...Elktooth...das dröhnt brachial in den Zuhörer hinein und will mittels gewaltiger Erschütterung des Körpers wieder heraus.
So einfach ist das.
Und funktioniert immer.
Zumindest bei mir.
Und andere Personen nehme ich kaum wahr.
Bei Woven Hand Shows nicht.
Höchstens, wenn mir jemand auf die Füße tritt.
Ist nicht passiert.
I really appreciate it!
Und diese verzerrte und leidende –double-minded?– Gitarre...Mr van Laerhoven gab sich redlich Mühe, sein Instrument so richtig  zu quälen. Wundervoll! 
Fehlte denn jetzt noch irgendwas?
Deerskin Doll? Fehlte nicht, kam nämlich sofort nach Elktooth. Der Song ist einzigartig und bei mir sehr ambivalent besetzt: ich kann ihn ausschließlich live hören. Auf dem Album wird er von mir mittels der richtigen Tastenkombination immer übersprungen – ich find den ziemlich lahm. Aber live? Der Hammer schlechthin! Dieses nahezu ekstatische Steigern der Lautstärke und des Tempos bevor alles krachend niedergeht und diese drohende Stimme...WOW! Und gleich noch mal: W O W !!!!! Ich liebe diesen Song auf Konzerten. Wie war das eigentlich, bevor dieses Lied geschrieben wurde? Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern...
Zeit, um mal wieder ein bisschen durch zu schnaufen...dachten sich auch drei Viertel der Leute auf der Bühne und als sie zum Teil freundlich winkend von der  Bühne gingen, war mein erster Gedanke: ‚Hallo? DAS soll’s doch jetzt wohl nicht gewesen sein???? Das war höchstens ’n Stündchen Hörgenuss. Ich kann noch!!!’ Der kleine Panikschub verblasste aber ob des übrig gebliebenen Viertels der wahren besten Band der Welt: DEE saß dort und begann mit Into The Piano. Das musste ich dann aber doch noch mal filmen und der Mitschnitt wurde eindeutig besser. Ein ganz wundervolles stilles Glanzstück, das die erhitzten Gemüter etwas beruhigte (ich geh jetzt einfach mal davon aus, dass es anderen Leuten ebenso ging wie mir) und Kraft gab für alles, was noch folgen sollte.
Aber – Oh Schock, schwere Not! – das war doch der Beginn von Your Russia, dem finalen sAndy-Killer! DER Top-LiveFavourite! Ich hoffe inständig, dass ich NIE ein Woven Hand Konzert erlebe, bei dem dieser Titel fehlt...
...aber zu diesem Zeitpunkt schon? Das Ende in Sicht? Wenn nicht: was würde der Rausschmeißer werden??? Wie auch immer: es gab einige neue texttechnische Improvisationen zu Beginn und auch im Ablauf des Songs, aber nichtsdestotrotz  war es ein Highlight.
Zur Darbietung selbst kann ich mich leider nicht umfassend äußern, denn da war ich weg...in Your Russia würde ich jetzt mal vermuten...

Oh weh!
Nach frenetischem Applaus gingen sie.
Von der Bühne runter.
Winkend und –so sah es zumindest von meinem Standort aus–  gut gelaunt.
Zugabe.
ZUGABE!
Z U G A B E!
Z U U U U U G A A A A A B E ! ! !

Die kam dann auch prompt in Form von Chest Of Drawers. Ein neues DEE Solo. Es ist immer wieder wundervoll zu erleben, welche Präsenz ein einzelner Mann auf einer Bühne haben kann; der alle in seinen Bann zieht, ohne mit jemandem in Kontakt zu treten. Sitzt mit seiner Klampfe auf einem Hocker und spielt mit geschlossenen Augen gedankenverloren vor sich hin...und alle lauschen andächtig und mit verzücktem Gesichtsausdruck. Phänomenal!
Dieser Zauber wurde aber alsbald niedergestampft durch einen wilden White Bird. Die vier Helden holten noch mal alles aus sich und den ihnen anvertrauten Musiziergeräten; es mag ungerecht erscheinen, aber ich muss mich erneut und voll des Lobes zu den Trommelkünsten des Herrn Garrison äußern: Was dieser Mann aus seinem Equipment herausholt, verschlägt mir regelmäßig den Atem. Ist es sicher, dass er nur zwei Arme und Beine besitzt? Wie kann man denn damit SO trommeln?? Ist mir absolut unerklärlich.
Mit lautem, brachialem und kraftvollem Finale und einem „God bless you!“ war es dann plötzlich vorbei. Sowohl der Song als auch das Konzert.

Sagenhaft.
Kurz.
Laut.
Tolles Lied 5.
Ziemlich kurz.
Grandios.
Kein Make A Ring.
Schade eigentlich.
Ganz schön kurz aber!
Wie spät isses eigentlich?
 
Bewegendes NACH dem Konzert:

Tja. Nun war ich also 2einhalb Stunden gefahren und dann nur so ein kurzer Gig. Ich geb’s zu: ich war etwas enttäuscht. Und auch die T-Shirts waren noch immer so grün wie zu Beginn.

Das Konzert an sich allerdings hatte gehalten, was ich mir versprochen hatte:
•    die wie stets so großartige Performance eines David Eugene Edwards, der allein durch die Eindringlichkeit seiner Darbietung das nette, aber nicht überschwängliche Publikum in seinen Bann zog, der schwitzend und konzentriert auf seinem Höckerchen saß und wirkte, als wäre er nicht von dieser Welt.
•    die schon angesprochenen Künste eines Ordy Garrison, der trotz seines schweißtreibenden Jobs so ruhig und gelassen wirkte, auch wenn er sich gerade die Seele aus dem Leib getrommelt hatte. Wie gesagt: mir ist häufig schleierhaft, WIE der Mann das mit nur vier Extremitäten schafft! Und die Show in HH machte da keine Ausnahme.
•    der während seines Bassspiels selbstvergessen wirkende Pascal Humbert, dessen Basslines ich manchmal gewahr wurde und dachte „Wow! DER macht DAS also!“ und dann ganz fasziniert zusehen musste, wie er die Saiten zupfte.
•    der gitarrenquälende und lautverzerrende Peter van Laerhoven, der auf mich manchmal einen überraschten Eindruck machte ob der Menge an Leuten, die die Band erleben wollte. Meinetwegen mag es auch am Whiskypegel gelegen haben - wichtig war: an genau den richtigen Stellen hat er offenbar die richtigen Saiten gezupft, um eine in mir zum Klingen zu bringen...

Zu guter Letzt hoffte ich auf wenig bis keinen Stau auf der Autobahn und dachte bei mir, dass es insofern nicht so schlecht gewesen sei, ein zwar kurzes aber dafür umso intensiveres Konzert zu erleben, als dass ich einigermaßen „früh“ wieder zu Hause ankommen würde. Schließlich musste ich am Morgen wieder arbeiten...
Aber ich war sicher, dass der kommende Samstag DAS Highlight werden sollte und das eben ausgeklungene Konzert nur der Appetithappen für mein Geburtstagsevent war...
Das Sichten der aufgenommenen Bilder und Videos am folgenden Vormittag steigerten nur die Vorfreude und die Woche sollte wie im Fluge vergehen!


sAndy

03.08.2008 (leider in der Rückschau NACH den Konzerten in München und Den Haag)

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